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Besonders entzückend findet Gustav die vielen kleinen Gassen. © Foto: SMTG

Im Portrait: Gustav Karlson, 13 Jahre alt, geschieden

Er ist schwedischer Migrant mit Aufenthaltserlaubnis in Stade, Deutschland. „Kann Integration gelingen?“ fragen sich nicht nur viele Stader*innen. Nach 100 Tagen Einbürgerung in der Hansestadt fragt Stader Brise Redakteurin Julia Balzer zunächst: Wer ist überhaupt Gustav Karlson?

Aufgewachsen in Schwedisch-Lappland als einziges Kind von Ida und Karl Karlson. Zwischen weiten Birkenwäldern in der nordschwedischen Tundra entdecke Gustav Karlson nicht nur seine Vorliebe für Moltebeeren, die er kiloweise zu sich nahm, sondern auch seine Leidenschaft für den RenNtiersport. Vordere Plätze bei Meisterschaften trugen dazu bei, dass seine Kindheit nicht nur erfolgreich war, sondern auch glücklich.

Besonders entzückend findet Gustav die vielen kleinen Gassen. © Foto: SMTG

Aufgrund seines Sprintvermögens – trotz seines Gewichtes von knapp 300 Kilogramm – war er auch außerhalb von Training und Wettkämpfen ziemlich schnell unterwegs. Das wurde ihm im Alter von 11 Jahren zum Verhängnis … Er hatte einen Unfall auf der Landstraße – mit einem Auto des schwedischen Autobauers Volvo. Die Folge: Verlust seiner Fortpflanzungsorgane und damit Scheidung von seiner Hauptkuh „Smilla“ samt aller anderen Frauen. „Miss Smillas Gespür für Schmach“ könnte man es auch nennen. Denn Gustav litt darunter – und nicht nur deswegen, sondern auch wegen einer sich zugezogenen einschränkenden Spreizhuf-Symptomatik.

Dieser Zustand, so musste er sich eingestehen, hätte im Ernstfall tatsächlich dafür gesorgt, dass er seine ihm vorgeworfene Herdenschutzuntauglichkeit unter Beweis gestellt hätte. Schmerzvoll musste er mit ansehen, wie Konkurrent „Lasse“, der schon lange scharf auf Smilla war, ihre Herde vor einem Wolfsrudel beschützte …

Reise über den großen Belt

Gustav Karlson zweifelte an seiner Daseinsberechtigung, ließ sich aber nicht unterkriegen. Er beschloss, sich fortan gesellschaftspolitischen Dingen zu widmen und sein Land zu verlassen. Ein politischer Flüchtling? Nein, eher sah er es als seine zukünftige Aufgabe an, ein länder- und kulturenübergreifendes Miteinander zu fördern.

Als letzte aufregende Reiseetappe fuhr er mit der Liinsand über die Elbe nach Stade. © Foto: SMTG

Er beschloss, auf Reisen zu gehen. Zunächst ließ er aber im südschwedischen Malmö seinen Spreizhuf behandeln. Während seiner Genesungszeit dort lernt er im nahegelegenen Karlshamn Gerda und Fiete kennen, ein entzückendes Paar aus der deutschen Partnerstadt Stade. Nach vielen Geschichten aus der Heimatstadt Stade und den ebenfalls positiven Berichten der Karlshamner über die Stader Bürger, weckten Gustavs Neugierde. Sein Ziel war jetzt klar: Die Hansestadt Stade. Über die Öresundbrücke und Kopenhagen hat er im August 2019 Hamburg erreicht, von wo aus er sich mit der Fähre „Liinsand“ nach Stader Sand bringen ließ.

Proooost! auf dem Weinmarkt Stade

Mit Grüßen der Karlshamner und jede Menge aufregender Reiseerlebnisse im Gepäck, begann Gustav Karlsons Aufenthalt in Stade zunächst in der Aufnahmestelle der STADE Marketing und Tourismus GmbH. Fast direkt danach ging es weiter mit einem Besuch des Stader Weinfestes, wo ihn bereits viele Stader kennenlernten. Ein Wochenende später folgte das MAMF, danach ein Besuch des Schloss Agathenburg, danach Karusellfahren auf dem Stader Jahrmarkt und und und … So ging und geht es immer weiter.

Ein Rentier von Welt interessiert sich natürlich auch für Kunst und Kultur. © Foto: SMTG

Inzwischen hat Gustav Karlson so viele Eindrücke gesammelt, die er via facebook und instagram gerne teilt. Höhepunkt seines Ankunftsjahres wird der skandinavische Weihnachtsmarkt am Fischmarkt sein, der vom 25. November bis 29. Dezember 2019 stattfindet. Hier wird er Botschafter der skandinavischen Weihnachts-, Wohn- und Lebenskultur sein und freut sich auf viele Begegnungen mit den Stader Bürgerinnen und Bürger. 

Integration kann gelingen!

Vielleicht war es doch eine politische Flucht … auf jeden Fall eine gesellschaftspolitische – im positiven Sinn! Gustav Karlson hat seine angeborene Neugierde genutzt und es sich zur Aufgabe gemacht, Frohsinn unter Mensch und Tier zu verbreiten und einen Beitrag für das in seinen Augen so wichtige Miteinander zu leisten– in kultureller, politischer und tierischer Hinsicht. Seine ausnahmslos positiven Erfahrungen mit der Willkommenskultur der Deutschen, insbesondere der Stader, teilt er als Zeichen seiner Dankbarkeit für seine gelungene Integration auf https://www.facebook.com/FROHSINNinSTADE/ und instagram.com/gustav_karlson_2019. Reindeer welcome!