Teilhaben und selbstbestimmt leben!

Heute begleite ich Angela Wittholt. Sie lebt in einer Wohngruppe in der Teichstraße – eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Angela Wittholt zeigt mir, wie Menschen mit ihrer Behinderung in Würde selbständig ihr Leben gestalten und dabei individuelle Hilfe und Unterstützung bekommen. Ich freue mich sehr, dass ich sie begleiten darf um mehr zu erfahren.

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Gemeinsam kaufen Angelika und ich für das Abendessen ein.

Um 15:45 Uhr bin ich mit Angela Wittholt verabredet. Wir treffen uns in den Schwinge Werkstätten. Pünktlich betrete ich die Abteilung Verpackung in der sie tätig ist. Freudestrahlend kommt sie mir entgegen und erkennt mich gleich wieder. Angela Wittholt arbeitet seit 1995 in der Werkstatt. Wir kennen uns noch aus meinem Berufsleben beim Deutschen Roten Kreuz. Ich freue mich sehr sie wiederzusehen.

Schon auf dem Weg zum Bus erzählen wir uns gegenseitig was wir in den vergangenen Jahren erlebt haben. Sofort ist diese Vertrautheit da. Im Bus lerne ich Angela‘s Ehemann Claus Wittholt kennen. Auch er arbeitet in der Werkstatt und lebt in der Wohngruppe in der Teichstraße. Beide haben aber ihr eigenes Zimmer. So hat jeder die Möglichkeit sich auch mal zurückzuziehen. Ich schmunzele und bestätige ihr, dass jeder Mensch ein wenig Raum für sich selbst braucht. Der Bus hält an, wir steigen aus und gehen Richtung Teichstraße. Die Sonne scheint uns ins Gesicht und alle freuen sich auf den Feierabend.

Reportage

Ehrenamtliche Helferinnen vom DRK-Ortsverein Hedendorf-Neukloster beim gemeinsamen Grillen mit den Bewohner/-innen aus der Wohngruppe in der Teichstraße Der DRK-Ortsverein Hedendorf-Neukloster ist auf vielen Gebieten sozial und ehrenamtlich tätig. Darunter gehören zum Beispiel auch die Aktivitäten mit den Bewohner/-innen der DRK-Wohngruppe in der Teichstraße. Im Sommer gibt es einen gemeinsamen Grillabend, in der dunklen Jahreszeit eine gemeinsame Weihnachtsfeier.

In der Teichstraße empfängt mich Tobias Wohlert. Er ist Heilerziehungspfleger und seit 1993 beim Deutschen Roten Kreuz. Seit zehn Jahren arbeitet er in der Wohngruppe in der Teichstraße. Das Haus, in dem sich die Wohngruppe befindet, wurde vor etwa einhundert Jahren erbaut. In zwei Vollgeschossen, im Dachgeschoss sowie im Anbau sind insgesamt 14 Wohnplätze vorhanden. Tobias Wohlert erzählt, dass die Bewohner nach ihren individuellen Bedürfnissen und Wünschen die Zimmer gestalten können. Auf Wunsch erhalten sie eine Grundausstattung. In der Wohngruppe leben Frauen und Männer zusammen. Die Altersstruktur ist gemischt. Aber alle haben eines gemeinsam: Sie benötigen Unterstützung. Hierzu gehören insbesondere heilpädagogische, pflegerische, persönlichkeitsfördernde und stabilisierende Maßnahmen. Kleine Hilfen in abgestufter Form als Beratung, Begleitung, Ermutigung und Motivation sind enorm wichtig. Dinge, die für uns selbstverständlich sind und zum Alltag gehören, werden hier gelernt und gefördert. Dabei steht das Miteinander an erster Stelle.

„So ist es immer wichtig, dass wir die Menschen motivieren den Alltag zu gestalten und am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Aber auch wohltuende Normalität gehört dazu“ sagt Tobias Wohlert.

Manche Bewohner ziehen sich auf ihr Zimmer zurück. Andere unternehmen noch etwas, kochen zusammen und möchten noch Unterhaltung haben. Im Sommer geht es dann wieder gemeinsam in den Urlaub. Dieses Jahr werden zwei Fahrten angeboten. Eine Gruppe fährt in den Harz, die andere Gruppe an die Ostsee nach Boltenhagen. So ist für jeden etwas dabei – Spaß, Erholung, Abschalten und Gestalten – das ist das Ziel. Nun steht Angela Wittholt in der Tür. Sie muss noch für das Abendessen einkaufen und fragt mich ob ich mitkommen möchte. Angela Wittholt gehört zu den selbstständigeren Menschen in der Wohngruppe. Sie kauft ein, räumt auf, kocht und plant. Der Weg zum Supermarkt ist nicht weit. Wir genießen die Abendsonne und unterhalten uns. Angela Wittholt hört gerne Musik, am liebsten Schlager. Sie ist großer Fan von dem Schlagerduo „Fantasy“. Hier war sie mit ihrem Mitbewohner Ernst Friedrich im Frühjahr im Stadeum und hat das Konzert gerockt. Natürlich hat sie sich auch von dem Duo ein Autogramm für ihre Sammlung geholt. Angela Wittholt fragt mich, was ich denn gerne an Musik höre. Ich erzähle ihr, dass ich ganz unterschiedliche Musik mag. Dabei stellt sich heraus, dass wir beide Fans von der Oldieband „The Torpids“ sind.  Was sie noch nicht weiß, dass ich eine kleine Überraschung für sie habe.

Zurück in der Wohngruppe hilft uns Ernst Friedrich den Einkauf auszupacken. Insgesamt sind im Obergeschoss drei Zimmer und werden von Angela Wittholt, Ernst Friedrich und Thomas Schuster bewohnt. Das Obergeschoss hat eine eigene kleine Küche. Während Thomas Schuster noch den Flur saugt, bereiten Angela Wittholt und Ernst Friedrich das Abendessen vor. Dabei ist es ihr wichtig, dass immer genügend Obst und Gemüse auf den Tisch kommt. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Es herrscht eine liebevolle Atmosphäre voller Toleranz und Zuwendung.

Mein Magen knurrt und es wird Zeit das auch ich Zuhause mein Abendessen vorbereite. Während ich mich verabschiede erzählt Tobias Wohlert, dass der DRK-Ortsverein Hedendorf-Neukloster zum grillen kommt. Dazu bin ich herzlich eingeladen. Ich freue mich und nehme diese Einladung dankend an. Der Sommer hält endlich Einzug und ich bin mir sicher, dass es ein gemütlicher, lustiger Abend wird. Dann kann ich auch meine Überraschung für Angela Wittholt überreichen – die neue CD der Torpids sowie eine Autogrammkarte.

Wenn sich die Stärke einer Gesellschaft in ihrem Umgang mit den Schwächeren erweist – dann ist das Toleranz!

 

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