Eine Ausnahme in der Branche

Hildegard Weber-Hagen

Die Vita von Hildegard Weber-Hagen ist ungewöhnlich. Sie unterscheidet sich sowohl privat als auch beruflich vom Werdegang der Mehrheit ihrer Berufskollegen. So absolvierte die Architektin erst mit 47 Jahren ihr Diplom. Das hat Seltenheitswert. Eine Ausnahme ist die Staderin außerdem im DRK-Sponsorenkreis – Männer sind dort deutlich in der Mehrheit.

 

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Hildegard Weber-Hagen ist eine Ausnahme in ihrer Branche: Die Architektin führt ein eigenes Büro in Stade. Und auch im DRK-Sponsorenkreis gehört sie zu den wenigen weiblichen Mitgliedern – von den 100 Unterstützern sind nur 4 Frauen.

Hildegard Weber-Hagen führt ein eigenes Architekturbüro. Sechs Mitarbeiter gehören zum Stamm von artec gmbh in der Stader Altstadt. Freie Mitarbeiter unterstützen projektbezogen das Team. Um Fachkompetenzen zu bündeln, arbeitet Hildegard Weber-Hagen innerhalb einer Bürogemeinschaft eng mit dem Ingenieur-Büro Klaus Waldvogel zusammen.

Seit sieben Jahren ist die Architektin Mitglied im DRK-Sponsorenkreis. „Hier hat man die Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen und sich fachübergreifend mit Stader Unternehmern auszutauschen“, so Hildegard Weber-Hagen. „Dass dem Social-Net nur so wenige Frauen angehören, ist sicherlich ein Spiegelbild der Tatsache, dass Frauen in der Selbständigkeit und in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert sind.“ Von den 100 Mitgliedern sind nur vier weiblich.

Hildegard Weber-Hagen zeigt sich im Pressegespräch zurückhaltend und überlegt – obwohl sie einiges vorzuweisen hat. Sie ist eine erfolgreiche Architektin. Ihre Schwerpunkte liegen in der Projektentwicklung, Planung und Durchführung von Wohn-, Büro- und Geschäftsgebäuden. Gleichzeitig liegen ihr die Modernisierung, Revitalisierung und energetische Sanierung von Gebäuden im Bestand am Herzen. Zu ihren Auftraggebern zählen sowohl Betriebe der öffentlichen Hand, gewerbliche und private Investoren als auch Bauherren eines Eigenheims.

Bei dem mehrjährigen Umbau des DRK-Seniorenheimes in Stade hatte ihr Büro die Bauleitung inne. „In dieser Zeit habe ich das DRK kennen und schätzen gelernt“, sagt Hildegard Weber-Hagen. Im Laufe der Zusammenarbeit wurde sie dann gefragt, ob sie sich im Sponsorenkreis engagieren möchte. Ja, das wollte sie.

Bei der Berufswahl konnte sie zunächst nicht frei entscheiden. Obwohl ihr Vater als Bauleiter tätig war, seine Tochter immer wieder auf Baustellen mitnahm und sie als Kind sogar Teile der Ferien im Bauwagen auf Großbaustellen wie dem Kölner Flughafen verbrachte, durfte Hildegard Weber-Hagen keinen Beruf in dieser Branche erlernen. „Frauen auf dem Bau – das kam für ihn nicht in Frage.“ Also mussten Umwege gegangen werden, denn der Wunsch, in diesem Bereich zu arbeiten, ließ sie nie los.

Nach der Ausbildung zur Drogistin sammelte Hildegard Weber-Hagen in ihrer eigenen Drogerie-Parfümerie erste Erfahrungen in der Selbstständigkeit. Doch die in der Kindheit geweckte Leidenschaft blieb: „Baustellen waren nach wie vor interessanter als Schminke oder Diätberatung.“

Ehe und zwei Kinder waren eine neue Zäsur in der beruflichen Entwicklung. Gleichzeitig bot diese Zeit eine Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen.  Also machte die gebürtige Koblenzerin in der Abendschule ihr Abitur und nahm das Architekturstudium an der Hochschule Hamburg auf. Nach der Geburt des dritten Kindes nahm Hildegard Weber-Hagen das Studium in Bremen wieder auf. Während andere Studierende noch jung und vergleichsweise ungebunden waren, musste sie Studium, Ehe, Familie, Haus und Garten unter einen Hut bekommen.

Das klappte offensichtlich so gut, dass sie bereits vor den Examensprüfungen gemeinsam mit einem Stader Architekten ihr späteres Architekturbüro gründete. Mit 47 Jahren legte Hildegard Weber-Hagen dann ihr Diplom als Ingenieurin ab. Im Jahr 2000 übernahm die Architektin die artec gmbh allein und baute das Büro weiter aus.

Die Ansprüche an die Novizin waren dabei hoch, berichtet die Staderin: „Bauherren und Geschäftspartner gingen natürlich davon aus, dass ich langjährige Erfahrungen in meinem Beruf habe.“ Hatte Hildegard Weber-Hagen aber nicht. Und dennoch kann das Architekturbüro auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Zu den Auftraggebern zählen neben dem DRK unter anderem die Stadtwerke, Lebenshilfe und Stadt Stade.

Außerdem steht Netzwerkarbeit auf dem Programm. Seit Anfang des Jahres baut Hildegard Weber-Hagen eine Kooperation von nationalen und internationalen Architektinnen auf. Vorher war sie sechs Jahre lang Vorsitzende von PIA, einem Netzwerk von 90 Architektinnen und Ingenieurinnen in Hamburg. Dort ist sie als Frau einmal keine Ausnahme. (nd)

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