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© STADE Marketing und Tourismus GmbH/ Stefanie Scholl

Im Gespräch mit Stefan Habeck, Kapitän der Liinsand

Seit Mitte Juli ist Stefan Habeck (37 Jahre) als Kapitän auf der Liinsand im neuen Revier tätig und sorgt mit seinen Kollegen dafür, dass es auf der Elbe wieder eine schnelle touristische Verbindung zwischen den Hansestädten Stade und Hamburg über Wedel gibt. Stefanie Scholl hat ein Gespräch mit ihm geführt.

Herr Habeck, was ist das Besondere an ihrem neuen Revier auf der Elbe?

Die Elbe als der große Strom in Norddeutschland und einer der größten Flüsse Europas ist per se natürlich schon einmal ein ganz besonderes Revier. Im Vergleich zum Wattenmeer, in dem wir mit der Liinsand vorher unterwegs waren, gibt es hier deutlich mehr Abwechslung, es ist „viel mehr los“ entlang der Strecke. Der Elbstrom hat im wahrsten Sinne des Wortes ja auch viel mehr Strömung, tatsächlich ca. 4 – 5 Knoten. Außerdem gibt es im Wattenmeer unzählige „Barren“. Das sind Sandbänke unter Wasser. In der Elbe befindet sich auch die ein oder andere „Untiefe“, sie hat aber insgesamt gesehen einen viel konstanteren Tiefgang.

Was lässt ihr Herz höher schlagen bei Ihrer Fahrt auf der Elbe?

Die Elbe ist Neuland für mich, es gibt so viel zu sehen, was bewegt. Wenn ein großer Containerriese an uns vorbeizieht – oder wir an ihm, ist das schon ein Highlight.

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse aus den ersten Testfahrten?

Die Testfahrten waren sehr hilfreich, um das Gebiet kennenzulernen. Wo können wir wie schnell fahren? Können wir den angedachten Zeitplan halten? Durch die Testphase hatten wir die Möglichkeit, Abläufe zu optimieren, um jetzt zum regulären Fahrplan verlässliche Zeiten zu bieten. Dadurch haben wir z.B. die morgentliche Abfahrtszeit ab Stadersand auf 8:55 Uhr vorverlegt. Auf diese Weise haben Gäste nun auch die Chance, morgens mit der ersten Fahrt ab Stadersand den Halunder Jet in Wedel zur Weiterfahrt nach Helgoland zu erreichen.

Bei Sonderfahrten legt der Katamaran auch am Stader Stadthafen an. Foto © STADE Marketing und Tourismus GmbH / Bianka Stahl

Konnten Sie auch schon einen ersten Eindruck von Ihren Fahrgästen gewinnen?

Beim Open-Ship im Rahmen der Lange Nacht in Stade durften wir viele Gäste an Bord begrüßen. Wir sind von den Stadern, den Touristen und den Organisatoren von der STADE Marketing und Tourismus GmbH mit offenen Armen empfangen worden. Es gab viele interessierte Fragen von der Funktionsweise des Schiffes bis hin zu praktischen Fragen rund um die Fährverbindung, die wir gerne beantwortet haben. Auf den ersten Fahrten sind jetzt in der Ferien auch viele Familien mit an Bord gewesen, für diese bieten wir auch ein Familienticket an.

Was gibt es für Gäste der Liinsand auf der Fahrt alles zu sehen?

Als Kapitän bin ich natürlich erstmal auf die Elbe an sich fokussiert und alles, was an Schiffsverkehr an uns vorbeizieht. Das ist auf jeder Fahrt spannend und abwechslungsreich vom Containerschiff über Barkassen bis hin zu Kreuzfahrtschiffen und Seglern. Auch an Land bietet sich viel Abwechslung: der Elbstrand des Alten Landes, auch der Anleger Willkommen-Höft in Wedel ist einzigartig mit der Begrüßungsmusik für die vorbeiziehenden und anlegenden Schiffe. In Finkenwerder das Airbuswerk, auf der Hamburger Seite das Treppenviertel, Ovelgönne und der Fischmarkt. Je nach Tageszeit leuchtet alles in einem anderen Licht. Wir Kapitäne berichten auf der Fahrt auch kurzweilig über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke.

Was zeichnet die Liinsand technisch aus?

Die Hybridtechnik macht das Schiff so besonders. Die Liinsand ist als Hybridkatamaran ein teilelektrisches Schiff. Wenn wir ins Gleiten kommen, erreichen wir ca. 20 Prozent Brennstoffersparnis. Außerdem haben wir die Möglichkeit, im Elektromodus fahren zu können. Zwei Hybridantriebe im Rumpf sorgen sowohl im Hafen, als auch auf der Fahrt für einen emissionsarmen Fährbetrieb. Die Dieselmotoren haben eine Harnstoff-Abgasreinigungsanlage, die Stickoxide zu Stickstoff und Wasser abbauen und sind damit umweltschonend. Mit dem Katamaran sind wir mit einer Geschwindigkeit von ca. 16 Knoten unterwegs, im Batteriebetrieb mit sechs Knoten. Das Schiff liegt mit seinen beiden Bughälften ruhig im Wasser, bietet hohen Fahrkomfort und dadurch eine schnelle Verbindung zwischen den beiden Hansestädten und Wedel.

Was ist für Gäste ihrer Meinung nach noch wichtig zu wissen?

Wir freuen uns sehr über die große Resonanz der Gäste und der Medien für die neue Verbindung. Auf einigen Fahrten haben wir schon mehr Gäste am Anleger gehabt, als Plätze an Bord. Es tut uns immer sehr leid, Fahrgäste dann nicht mitnehmen zu können. Daher lohnt sich eine Vorausbuchung der Tickets, um sicher zu gehen, dass man auch auf dem Rückweg noch einen Platz auf dem Schiff ergattert. Wir bieten den besonderen Service, dass Fahrräder mitgenommen werden können. Durch das Anlegen an Pontons ist überall auch ein unkomplizierter Einstieg mit Rädern möglich. Auf diese Weise kann man die Gegend auf einer Rundtour erkunden – eine Strecke selbst radeln, die andere mit uns fahren. Mit dem Fahrrad ist es vom Anleger Stadersand nur einen Katzenspring bis in die Stader Innenstadt. Wer kein Rad dabei hat, den bringt ein Linienbus von der Bushaltestelle am Stadersand bis in die Innenstadt. 

Wieviele Kollegen sorgen mit Ihnen zusammen dafür, dass alles reibungslos läuft?
Wir arbeiten immer im Tandem mit wöchentlichem Schichtwechsel. Immer ein Kapitän mit einem Schiffsmechaniker. Mit meinem Kollegen Moritz Hoppe übernehme ich eine Schicht, unsere Kollegen Jörn Bolz und Daniel Gil die andere. Gemeinsam teilen wir uns auch unsere Dienstwohnung in Hollern-Twielenfleth. Außerdem gibt es zwei Kollegen in Husum im Büro, die alles Organisatorische rund um die Fährfahrten regeln.

Was hat sich persönlich für Sie geändert mit dem neuen Revier der Liinsand?

Der Ort unserer Dienstagwohnung hat sich von Wyk auf Föhr in Hollern-Twielenfleth geändert. Ich lebe mit meiner Frau und unseren Kindern in Hennstedt (Dithmarschen). Seit dem 1. Januar 2019 arbeite ich für die Watten Fährlinien GmbH, den wöchentlichen Schichtwechsel sind wir also schon gewöhnt. Meine Tochter ist 4 Jahre alt und mein Sohn 14 Monate, sie freuen sich natürlich immer sehr, wenn ich nach Hause komme und so geht es mir natürlich auch. Auch hier haben Sie mich schon besucht und finden Stade und Umgebung richtig klasse.