Menschen im Landkreis Das Telefon ist mein Freund

Immer wieder klingelt das Telefon. Geduldig beantwortet Rainer Bohmbach die Fragen der Journalisten. An diesem Vormittag ist der Polizeisprecher für den Landkreis Stade besonders gefragt: Ein Waffennarr hat nachts mit Chemikalien hantiert bis es zur Explosion kam. „Die Medien und Bevölkerung sind derzeit wegen Salafisten und dem NSU besonders sensibel“, so Bohmbach. Doch er kann Entwarnung geben: Kein politischer Hintergrund hat den Mann angetrieben.

nd_Bohmbach2

Das Telefon ist sein Freund, wie Rainer Bohmbach selbst sagt. Als Pressesprecher für den Landkreis Stade ist er das Bindeglied zwischen Medien und Polizei. Außerdem bereitet er unter anderem Anfragen für Fernsehaufnahmen und Ausbildungsmessen vor.

Obwohl der 52-Jährige nur vier Stunden geschlafen hat, wirkt er hellwach und konzentriert. Für einen Scherz mit den Journalisten ist trotz vieler Anfragen Zeit. Mit einer Vielzahl von ihnen duzt der Polizeihauptkommissar sich, telefonieren sie doch oftmals täglich miteinander, erzählt er, während es wieder läutet: „Das Telefon ist mein Freund.“

Sein Büro im zweiten Stock der Polizeiinspektion (PI) Stade hat sich Bohmbach wohnlich eingerichtet. Bilder, Grünpflanze und Sitzecke geben dem Raum eine persönliche Note. Ein übergroßes Playmobilmännchen in Polizeiuniform leistet stumme Gesellschaft. Der Pressesprecher verbringt viele Stunden im Büro. Zum Gebäude hat er gar eine besondere Beziehung: Er wurde in dem Klinkerhaus an der Teichstraße geboren. Bis 1967 war dort das Krankenhaus untergebracht, bevor es an den Schwarzen Berg zog.

Unentwegt im Büro ist der Horneburger aber keineswegs. Immer wieder fährt er an den Ort des Geschehens – seien es Unfälle, Tatorte von Kapitalverbrechen oder eben eine Wohnung, in denen Chemikalien explodieren. Dort gibt der Pressesprecher sogenannte O-Töne an Reporter von Funk und Fernsehen. Verhaspelt er sich oder ist mit dem Satz nicht zufrieden, gibt es einen neuen Anlauf. „Keiner führt mich vor. Das ist ein vertrauensvolles Verhältnis.“ Später den Beitrag extra im TV sehen oder im Radio hören, das macht er nicht. Die mediale Präsenz gehört zum Berufsalltag.

Abwechslung bieten Filmaufnahmen, die manchmal auch Statistenrollen mit sich bringen. In der Komödie „Eine Hand wäscht die andere“, die in Stade gedreht wurde, hatte Bohmbach eine Sprechrolle: „Ich durfte einen Satz sagen.“ Das gehört allerdings nicht zum Job. Dafür musste er Urlaub nehmen.

Im Dienst ist er gerne vor Ort, damit seine Kollegen in Ruhe ihre Arbeit erledigen können. Häufig macht der Pressesprecher auch Fotos: „So bestimme ich, was zu sehen ist.“

Manchmal erleben die Polizeibeamten grausame Dinge, doch das gehöre zum Beruf. Der 52-Jährige kann gut abschalten. „Ich könnte den Job nicht machen, wenn ich das jeden Abend mit nach Hause nehme.“ Aufwühlend sind Einsätze mit Kindern, und wenn Bekannte betroffen sind. „Wenn mein Sohn in der Disco war, habe ich bei Unfällen als erstes auf die Automarke geschaut.“ Die normalen Ängste eines Vaters plagen auch einen erfahrenen Polizeihauptkommissar.

Die ersten Erfahrungen mit der Polizei machte Bohmbach bereits als kleiner Junge. In seiner Straße in Horneburg war die Polizeistation beheimatet, einige Beamte wohnten dort. „Die Polizeiarbeit gehörte zum Alltag.“ Nach der Realschule ging es 1978 zum Bundesgrenzschutz. Nach zwölf Jahren ließ er sich nach Niedersachsen versetzen. Von 1991 bis 2005 arbeitete Bohmbach erst im Schichtdienst, dann im Innendienst bei der PI Buxtehude. Vor zehn Jahren wurde er Polizeisprecher. Bereut hat er seinen Werdegang nie: „Ich werde oft von Praktikanten gefragt, ob ich den Beruf wieder ergreifen würde. Ja, das würde ich.“

Bohmbach ist immer in Bereitschaft – nur wenn er Urlaub hat oder krank ist, vertritt Herbert Kreykenbohm ihn. Kriminelle, Raser und Brände halten sich nicht an Bürozeiten. Aber auch das macht ihm nichts aus: „Das kenne ich aus meiner Freizeit.“ Seit 1981 ist er Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Horneburg sowie mehr als 20 Jahre stellvertretender Leiter des DLRG-Bezirks Stade. Kommt da nicht etwas zu kurz? „Manchmal etwas die Familie und Freunde.“

Zeit für andere Hobbys bleibt trotzdem. Bohmbachs Leidenschaft sind Oldtimer. Einen Chevrolet-Pickup von 1951 und einen gelben VW-Kübel-Wagen nennt er sein eigen. An den Autos selbst schrauben kann er nicht  – dafür fehle es an technischer Begabung. Jedes Jahr geht der 52-Jährige bei der Schleswig-Holstein-Rundfahrt und den Niederelbe-Classics durch den Kreis Stade an den Start, bei denen er in die Polizei-Isetta 250 von 1962 steigt. Verfahren habe sich Bohmbach bei den Touren noch nie. Dank seiner Ausbildung ist er ein Profi im Kartenlesen.

Soll es etwas entspannter zugehen, schaut der Polizeipressesprecher Fernsehen. „Ich mag den Tatort zum Beispiel gerne. Der gehört zum Sonntagabend dazu.“ Die Polizeibrille setzt er dann ab und genießt ausschließlich die Unterhaltung. „Sonst würde ich mich ja nur ärgern. Bei realen Kapitalverbrechen besteht eine Mordkommission aus 30 Leuten und sehr viel Schreibarbeit.“

Die steht jetzt auch für Bohmbach an. Es gibt Neuigkeiten zur Explosion. Also schreibt er eine ots-Meldung, die über die Nachrichtenagentur dpa verbreitet wird, bevor ein TV-Reporter noch auf ein Interview vor der PI wartet – der normale Alltag des Polizeipressesprechers.

Das könnte Dich auch interessieren …