Neuer Chef bei der Wohnstätte Stade

Um preisgünstigen Wohnraum im Stader Stadtgebiet zu schaffen, wurde 1925 die gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Stade eGmbH gegründet, aus der 1942 die Wohnstättengenossenschaft  Stade eGmbH hervorging. Heute ist die Wohnstätte Stade eG, so der offizielle Name seit 1975, mit gut 2400 Wohnungen der größte Wohnungsanbieter in Stade. Nach dem Prinzip der Genossenschaft erwerben die Mitglieder Geschäftsanteile und werden damit quasi Miteigentümer der Wohnstätte. Heute zählt das Unternehmen rund 4000 Mitglieder. Über 30 Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Auszubildende sind bei der Wohnstätte Stade eG beschäftigt. Seit gut einem halben Jahr hat die Wohnstätte Stade eG einen neuen Chef: Dr. Christian Pape. Der 36-Jährige hat Betriebswirtschaftslehre studiert und eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert.

Herr Dr. Pape, vor Ihrem Dienstantritt in Stade waren Sie in Hamburg unter anderem für die SAGA und beim Landesbetrieb Schulbau Hamburg tätig. Was hat Sie an einem kleinen Unternehmen in einer vergleichsweisen kleinen Stadt gereizt?

Stade entwickelt sich temporeich und hat mit einem starken Mittelstand ein verlässliches Fundament. Die Stadt ist Teil der Metropolregion und kann mit der Nähe zu Hamburg punkten. Die Anbindung wird mit den Jahren noch besser werden. Das sind gute Voraussetzungen, um die Potenziale zu nutzen und Stade als Wirtschafts- und Wohnstandort noch attraktiver zu machen. Wir als Wohnstätte Stade eG können und wollen als grö˚ter Wohnungsanbieter einen Beitrag dazu leisten. Es gibt übrigens einige Kollegen aus der Wohnungswirtschaft, die uns um diesen Standort beneiden.

Und als Privatperson?

Persönlich mag ich Stade nach wie vor sehr. Die Stadt und das Umland hat für Familien zu bieten, einen hohen Freizeitwert und man kann prima einkaufen. Ich bin ja auf der Geest aufgewachsen und habe in Stade das Gymnasium besucht. In diesem Frühjahr konnte ich beobachten, dass die Abiturienten immer noch im Brunnen ihren Abschluss feiern. Schön, dass sich manche Traditionen nicht ändern.

Sie sind Geschäftsführer der Wohnstätte Immobilien GmbH und hauptamtliches Vorstandsmitglied der Wohnstätte Stade eG. Wo genau liegt der Unterschied?

Die Immobilien GmbH übernimmt Dienstleistungen, die unser Wohnungsangebot ergänzen, wie beispielsweise die Wärmelieferung der von uns errichteten Holzhackschnitzelwerke. Die Wohnstätte Stade eG. ist eine ganz traditionelle Genossenschaft, die für ihre Mitglieder Wohnraum zu moderaten Mietpreisen zur Verfügung stellt. Beide Geschäftsmodelle sind natürlich miteinander verknüpft: Die Immobilien GmbH ist eine 100 prozentige Tochter der Genossenschaft.

Muss ich denn Mitglied werden, wenn ich eine Wohnung der Wohnstätte eG bewohnen möchte?

Ja, und das machen Sie, indem Sie Anteile erwerben. Provision und Kaution fallen nicht an. Die Höhe der Genossenschaftsanteile ist abhängig von der Grö˚e des Mietobjektes. Dafür haben unsere Mitglieder ein Mitbestimmungsrecht, und auf ihre Geschäftsanteile erhalten sie jährlich eine Rendite in Höhe von dreieinhalb Prozent. Au˚erdem genie˚en unsere Mieter ein lebenslanges Wohnrecht. Ein demokratisches Modell, das sich über viele Jahre sehr gut bewährt hat.

Ein weiterer Vorteil: Die Hausmeister, die meist feste Sprechstunden haben, sind bei der Wohnstätte angestellt. Wir beschäftigen dafür keine externen Dienstleister. Da sich unsere Geschäftsstelle in zentraler Lage befindet, sind wir als Vermieter immer gut erreichbar und persönlich ansprechbar.

Wie viele Wohnungen hat die Wohnstätte Stade eG zurzeit im Bestand? 

Rund 2400 Wohnungen in Stade und Bremervörde. Davon sind gut 20 Prozent seniorengerecht. Jährlich vermieten wir ungefähr 350 Wohnungen.

Welche Projekte werden aktuell umgesetzt?

Derzeit bauen wir in Stade Hahle auf einem Grundstück am Drosselstieg vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 68 Neubauwohnungen. Hauptsächlich entstehen auf der πHahler Höhe™ Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Den Baufortschritt kann man übrigens auf unserer Homepage über eine Webcam verfolgen. Dort finden Interessenten auch Details zur Ausstattung und Wohnungsgrö˚e.
Zeitgleich bauen wir auf der πHahler Höhe™ auch ein gro˚es Holzhackschnitzel-Kraftwerk, das rund 550 Wohnungen mit Wärme aus erneuerbarer Energie-
erzeugung versorgen kann. Mit diesem Projekt sind wir übrigens kürzlich unter die Top 10 im GreenTec-Award in der Kategorie Bauen und Wohnen gekommen. Zusätzlich haben 100 Haushalte die Möglichkeit günstigen Mieterstrom zu beziehen. Und schlie˚lich werden wir – dies ist zumindest unsere Hoffnung – im Stadtteil Kopenkamp eine Kindertagesstätte errichten und das Gebäude dann an die Stadt vermieten.

Was machen Sie im Bereich Klimaschutz? 

Das ist natürlich auch bei uns ein ganz wichtiges Thema. Zum einen leisten wir mit unserem Engagement im Bereich der regenerativen Energien, wie dem eben genannten neuen Holzhackschnitzel-Kraftwerk, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Zum anderen führen wir umfangreiche energetische Sanierungsma˚nahmen in unseren Bestandswohnungen durch. So können wir langfristig den Energieverbrauch und Kosten senken. Unsere Neubauten haben einen KFW 70 Standard, damit liegen wir 30 Prozent unterhalb der gesetzlichen energetischen Anforderungen. Und selbstverständlich beraten wir unsere Mitglieder, wie sie zu Hause mit ganz einfachen Ma˚nahmen Energie einsparen können.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die demografische Entwicklung. Wie geht die Wohnstätte mit damit um?

Wir gehen davon aus, dass die Haushalte kleiner werden und die Nachfrage, insbesondere nach preisgünstigem Miet-Wohnraum, steigen wird. Dieser Nachfrage zu begegnen, ist eine der zentralen Aufgaben der Genossenschaft. Ziel ist es, unsere Quartiere nach und nach den Anforderungen anzupassen und uns soweit als möglich auf veränderte Mieterstrukturen einzustellen. Wir wollen auch künftig in Stade bezahlbaren Wohnraum vorhalten und richten uns daher jetzt schon ganz aktiv auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung ein.

Auch eine traditionelle Genossenschaft wie die Wohnstätte darf ja nicht stehenbleiben. Wie sieht die Unternehmensentwicklung in den nächsten Jahren aus?

Behutsam und zukunftsorientiert. Wir sehen den Fokus in der Bestandspflege, damit wir den Standard in unseren Wohnungen halten können. In der Öffentlichkeitsarbeit legen wir ein bisschen zu. Bei grö˚eren Projekten wollen wir zum Beispiel den Beteiligungsprozess und den Dialog vor Ort intensivieren. Zudem haben wir ein facebook-Profil eingerichtet, über das wir informieren und kommunizieren. Daneben gibt es ja noch unsere Mitgliederzeitschrift Wohnstätten-Kurier und die Homepage mit den aktuellen Mietangeboten und Infos über aktuelle Vorhaben.

Die Wohnstätte engagiert sich auch. Warum und wo zum Beispiel?

Als Stader Unternehmen, das sehr viel mit Menschen zu tun hat, ist uns daran gelegen, die Lebensqualität in der Stadt hoch zu halten. Au˚erdem gilt es, diejenigen zu unterstützen, die sich im Rahmen eines Ehrenamtes engagieren und dafür ihre Freizeit investieren. Die Wohnstätte Stade ist beispielsweise Mitglied bei Stade 21, bei ∏Mein Herz in Stade e.V.‘ und im DRK-Sponsorenkreis. Au˚erdem unterstützen wir neben anderen die Freiwillige Feuerwehr Stade und die Hospizgruppe.

Herr Dr. Pape, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr unter: www.wohnstaette-stade.de

Das könnte Dich auch interessieren...