Kai Thomas Breas – Großer Gerechtigkeitssinn

Das Büro vom Ersten Staatsanwalt Kai Thomas Breas ist eher nüchtern eingerichtet. Ein Plastikfarn steht auf dem aufgeräumten Schreibtisch, ein Werder-Bremen-Wimpel sowie eine Urkunde wirken verloren auf der großen Wand. Der Blick aus dem Büro im vierten Stock der Staatsanwaltschaft Stade ist hingegen beeindruckend. Der 44-Järhige kann bis zum Elbdeich gucken und große Schiffe vorbeifahren sehen. Doch dafür bleibt nur wenig Zeit. 

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Pressesprecher und Staatsanwalt in einem: Kai Thomas Breas vertritt die Staatsanwaltschaft Stade in der Öffentlichkeit und führt ebenso Ermittlungsverfahren. Hat er eine Pressemitteilung herausgegeben, klingelt das Telefon immer wieder, weil Journalisten Nachfragen haben oder Details erfahren möchten. Foto Dede

Als Staatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft hat er viel zu tun. Immer wieder klingelt das Telefon. Vor wenigen Stunden hat Kai Thomas Breas eine Pressemitteilung herausgegeben. Eine Redakteurin hat eine Verständnisfrage, ein anderer Journalist versucht detaillierte Informationen herauszubekommen. Doch die will der Pressesprecher noch nicht Preis geben, denn: „Ich darf Ermittlungsverfahren nicht gefährden und die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten nicht verletzten.“

Dass sich Redaktionen melden würden, wusste Kai Thomas Breas zuvor. Wie groß die Reaktionen auf eine Pressemitteilung sind, kann er inzwischen gut einschätzen, schließlich ist er seit August 2009 Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stade. Meistens interessieren sich regionale Medien für die Anklagen und Verhandlungen. Vor allem bei Kapitalverbrechen ist die Resonanz dann umso größer.

Der spektakulärste Fall war die Festnahme und Verurteilung des sogenannten Maskenmannes. Martin N. gab zu, mindestens drei Jungen ermordet und 40 Sexualdelikte an Kindern begangen zu haben. „Das mediale Aufgebot war enorm“, so Kai Thomas Breas. Vor dem Gericht standen mehrere Übertragungswagen von Fernsehsendern, die bekannte Gerichtsreporterin des Spiegel, Gisela Friedrichsen, war unter den dutzenden Journalisten im Gerichtssaal. „Ich habe Live-Interviews im Fernsehen und Radio gegeben“, sagt der 44-Jährige über diesen arbeitsintensiven und aufwühlenden Fall. Abschalten vom Job könne er heute jedoch recht gut: „Mit der Zeit lernt man das.“ Das ist auch für das Familienleben wichtig – hat der Harsefelder doch eine Tochter und einen Sohn.

So präsent Kai Thomas Breas den Bürgern im Landkreis Stade als Sprecher der Staatsanwaltschaft ist, der Schwerpunkt liegt auf seiner Arbeit als Vertreter der Anklage. Er führt Ermittlungsverfahren gegen Rechtsanwälte, Notare, Richter, Beamte und andere Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. „Im Fernsehen nennt man das Interne Ermittlungen“, erklärt der gebürtige Bremer. Gelegentlich hat er es dann mit sogenannten Querulanten zu tun, die Anzeigen erstatten. Außerdem führt der Staatsanwalt, der in Hamburg Jura studiert hat, Todesermittlungen. Sechs Staatsanwälte gehören der Abteilung I an, in der Kai Thomas Breas stellvertretender Leiter ist. Insgesamt gehören rund 33 Staatsanwälte der Behörde an.

Welcher Fall von wem bearbeitet wird, hängt vom Anfangsbuchstaben des Beschuldigten ab. Sind es mehrere, gibt der Name des Ältesten den Ausschlag. Gibt es noch keinen Verdächtigen, dann regelt der Nachname des Opfers die Zuständigkeit.

Eben dieser Geburtsort ist wohl ausschlaggebend für die Leidenschaft für Werder Bremen. Bis vor einem Jahr hatte Kai Thomas Breas gemeinsam mit seinem Vater eine Dauerkarte. Nun erinnern ein Schlüsselband, eine Kaffeetasse und der Wimpel in grün-weiß an den Verein. In seiner Freizeit spielt der 44-Jährige Fußball beim TuS Harsefeld samt Punktspielen. Diese Leidenschaft hat der Stürmer an seine Tochter vererbt. Sie spielt ebenfalls Fußball und ist Fußballfan – allerdings für den Erzrivalen, dem HSV. „Schrecklich, aber ich konnte es mir nicht aussuchen“, schmunzelt Kai Thomas Breas. „Im Randgebiet von Hamburg musste das so kommen.“

Dass er Staatsanwalt wird, stand hingegen lange Zeit nicht fest. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten und ging dann als Werkstudent an die Universität Hamburg. Während der Vorlesungen arbeitete er einmal pro Woche in einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, in den Semesterferien häufiger. Das Referendariat sah dann auch einige Monate bei der Staatsanwaltschaft vor, währenddessen geriet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in eine wirtschaftliche Notlage. Trotz anderer Angebote aus der Wirtschaft entschied sich Kai Thomas Breas für den Staatsdienst. Bereut hat er es nie. Der Gerechtigkeitssinn war und ist immer noch groß.

Deswegen ist es für den Staatsanwalt auch in Ordnung, wenn ein Urteilsspruch von seinen Forderungen abweicht: „Das Ergebnis muss vertretbar sein.“ Ist es das seiner Meinung nach nicht, kann er Rechtsmittel, also Berufung oder Revision einlegen. Scheitert Kai Thomas Breas damit, hat er sich früher häufiger darüber geärgert. „Heute habe ich mir eine gewisse Gelassenheit erarbeitet. Damit muss man lernen umzugehen.“ Ebenso wie den Umgang mit den Medien, die er durchaus schätzt. Schließlich sei es wichtig, die Erfolge der Staatsanwaltschaft zu kommunizieren – früher war das anders, so der 44-Jährige und greift erneut zum Telefon. Der nächste Redakteur bittet um Details. „Nach einer Pressemitteilung oder einem besonderen Ereignis klingelt das Telefon ständig. Am nächsten Tag ist es dann so still, dass ich denke, es sei kaputt.“ (nd)

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