Im Gespräch: Von kleinen Macken und großen Gefühlen

© Steven Haberland

STADEUM 17.11.2018

Reinhold Beckmann ist sich sicher: Viele Menschen im Publikum werden sich wiederfinden – in seinen Texten und den Geschichten, die er zwischen den Stücken bei seinem Auftritt im STADEUM am 17. November erzählen wird. Wer den sympathischen Moderator nur aus dem Fernsehen kennt, wird vielleicht auch überrascht sein, wieviel Professionalität und Gefühl sich in der Musik von REINHOLD BECKMANN & BAND wiederfinden. In ihren Songs vereinen sich gekonnt und mit großer Leidenschaft Jazz, Bossa Nova, Folk und Country-(Pop). Stader Brise im Gespräch mit dem Musiker.

Stader Brise: Herr Beckmann, was darf das Stader Publikum von Ihrem Auftritt erwarten?

Reinhold Beckmann: Hinter uns liegen in diesem Jahr schon einige wunderbare Live-Auftritte. Da wächst man als Band enger zusammen und musikalisch wird das Programm von Konzert zu Konzert reifer und besser. Das wird das Publikum in Stade sicherlich spüren. Der Abend hat seine poetischen, aber auch seine komischen Momente. Wir spielen die Stücke unseres neuen Albums „Freispiel“ , aber auch Songs von unserer ersten CD und dazu noch ein paar neue, bislang unveröffentlichte Stücke.

Stader Brise: Worum geht es in Ihren Stücken?

Reinhold Beckmann: Es geht um die kleinen Verrücktheiten des Alltags. Und um die Dinge, die einem nicht gelingen. Es geht um wehleidige Männer. Und um die erste große Liebe. Sie hieß Charlotte und war die Schlachtertochter bei uns im Dorf. Charlotte war sozusagen im Schatten des Hackebeils aufgewachsen und hatte immer eine Scheibe Schinkenwurst für mich. Es gibt aber auch die nachdenklichen und politischen Momente bei unserem Konzert. Der Song „Wohin in dieser Welt“ erinnert zum Beispiel an den kleinen syrischen Flüchtlingsjungen Aylan, der vor drei Jahren tot am Strand von Bodrum aufgefunden wurde. Als sein Foto um die Welt ging, habe ich geglaubt, dass sich etwas ändern wird. Hat es aber nicht. Allein im letzten Jahr sind wieder über 3000 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen.

Stader Brise: Wie entstehen Ihre Texte?

Reinhold Beckmann: Kreativität ist unberechenbar. Man kann sich nicht hinsetzen und einen Songtext einfach so herunterschreiben. Gedanken und Ideen kommen und gehen. Gute werden festgehalten. Manchmal ist es nur eine Zeile, aus der ein Song entsteht. Beim Lied „Bremen“ war zum Beispiel zuerst die Zeile „du hast meinen Käfer vollgekotzt“ – daraus ist dann diese skurrile Liebesgeschichte entstanden.

Stader Brise: Ist erst der Text da oder erst die Musik?

Reinhold Beckmann: Erst der Text. Dann folgt die Melodie. Oft gibt es eine Grundidee, dann weiß ich aber noch nicht genau, wohin die Reise gehen wird. Dann proben wir und die Band gibt ihre Ideen dazu.

Stader Brise: Sie waren – und sind es noch – in den Fernsehstudios als Moderator zu Hause. Nun spielen Sie vor Publikum auf der Bühne. Was bedeutet das für Sie?

Reinhold Beckmann: Live zu spielen, ist einfach wunderbar! Es macht glücklich. Jeder sucht doch im Leben nach Momenten, wo man ganz bei sich ist. Beim Musikmachen ist das so. Wenn ich Gitarre spiele oder singe, kann ich an nichts anderes denken. Dann ist das Kopfkino sofort ausgeschaltet. Es hat sogar etwas Meditatives. Außerdem ist jedes Konzert anders. Manchmal erleben wir in der Band, dass wir hinterher zusammen stehen und sagen: „Mensch, heute hatte dieser Song eine ganz besondere Energie“. Das kann Fernsehen nicht. Ich freue mich auf Stade.

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