Archäologische Highlights

Foto: Axel Hartmann, Köln

Dr. Sebastian Möllers, Leiter der Stader Museen Foto: Axel Hartmann, Köln

Mit ihren sehenswerten Ausstellungen bereichern die Stader Museen seit vielen Jahren die Kulturlandschaft in der Hansestadt. Das Kunsthaus, der Schwedenspeicher und das Freilichtmuseum auf der Insel haben sich überregional einen Namen gemacht. Steigende Besucherzahlen zeugen von der hohen Qualität und dem guten Unterhaltungswert. Seit 2010 leitet Dr. Sebastian Möllers die Stader Museen. Gemeinsam mit einem zehnköpfigen Team sowie Honorarkräften und freien Mitarbeitern präsentiert der studierte Archäologe moderne und zeitgenössische Kunst, bekannte Namen und regionale Künstler, historische Schätze, die Geschichte der Hansestadt sowie ein Stück heimatkundliche Geschichte unter freiem Himmel. 

Herr Dr. Möllers, seit ein paar Tagen ist das Obergeschoss des Schwedenspeichers wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Was können die Besucher dort sehen?

Wir präsentieren archäologische Fundstücke aus dem Elbe-Weser-Dreieck. Darunter sind ganz besondere Stücke, etwa ein Goldarmreif, der in Himmelpforten gefunden wurde und zu den ältesten Goldfunden in Norddeutschland zählt oder den best- erhaltenen Feuersteindolch samt Lederscheide der Welt. Nicht zu vergessen die Stader Bronzeräder. Alle Exponate sind Originale und Fundstücke von europäischem Rang. Jedes Stück hat seine eigene spannende Geschichte und ist von uns entsprechend in Szene gesetzt worden. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Alles harmoniert und fügt sich in den großzügigen Raum des Hauses ein.

Wie ist die Ausstellung denn konzipiert?

Es gibt sechs Zeitinseln, auf denen die Fundstücke präsentiert werden und sehr gut zur Geltung kommen. Dazu gibt es entsprechende Hintergrundinformationen zur Fundgeschichte in Form eines digitalen Comics und zur zeitlichen Einordnung. Unter jeder Zeitinsel gibt es eine kleine Höhle, in der die Kinder die jeweilige Zeit in einer eigenen Welt, untermalt von Geräuschen und kleinen Geschichten, nachvollziehen können. Alles ist  sehr anschaulich und lebendig aufbereitet. Außerdem gibt es im Eingangsbereich eine Videowall, die über die regionale Landschaftsentstehung informiert. An einem Medientisch können die Besucher auch selbst aktiv werden.

Wie das?

Wir haben fünf Computer aufgestellt, an denen sich die Besucher über verschiedene Themen informieren können, zum Beispiel über die Denkmale in unserer Region oder über die Objekte und Fundstellen in der Ausstellung. Das Besondere ist, dass die Besucher zu Hause weitermachen können. Sie können weiterführende Infos recherchieren, den Archäologie-Blog über aktuelle Ausgrabungen lesen oder den „Fund des Monats“ anschauen. Das macht viel Spaß.

Der Zeitplan für den Umbau war ja recht sportlich. Was wurde denn außer der eigentlichen Ausstellung noch neu gemacht?

Ja, wir hatten nur gut ein Jahr Zeit, unsere Pläne umzusetzen. Wir haben erst Mitte 2014 die Zusage für die Fördermittel bekommen, der eigentliche Umbau begann im August und bis Ende März müssen wir die Endabrechnung vorlegen. Hat aber alles geklappt, wie man jetzt sehen kann. Herzstück des Umbaus ist natürlich die Ausstellung. Daneben haben wir unsere Verwaltungsräume modernisiert, Raum für die Vorbereitung von Ausstellungen geschaffen und einen Veranstaltungsbereich eingerichtet. Wir planen derzeit, diesen Raum auch zu vermieten. Das Museum wird als Location immer attraktiver, zum Beispiel für geschäftliche Anlässe.

Wie hat sich der Schwedenspeicher in den vergangenen Jahren insgesamt entwickelt?

Wir sind natürlich moderner geworden, was die Präsentation und die Einrichtung angeht.  Mit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes, also der neuen Ausstellung, fügt sich alles gut zusammen: Im 2. Obergeschoss beginnt die Zeitreise mit den archäologischen Funden, auf der ersten Etage präsentieren wir die Hansezeit und im Erdgeschoss geht es zusammenfassend um die Stadtgeschichte bis hin zur gegenwärtigen Stadtentwicklung. Und alles wird zeitgemäß und in vielen Teilen interaktiv dargestellt, so dass es auch den Kindern gefällt.

Im Schwedenspeicher gibt es sogar eine Bibliothek. Wer kann die nutzen?

Wir beherbergen rund fünfeinhalbtausend Titel, vorwiegend aus den Bereichen Regionalgeschichte, Kunst, Archäologie und Volkskunde. Die Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek, die von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin betreut wird. Anders als die städtische Bücherei verleihen wir unsere Bücher nicht ohne weiteres. Nach Anmeldung können Personen, die auf einem Gebiet forschen, wissenschaftlich arbeiten oder recherchieren wollen, die Bücher nutzen. Mittlerweile sind wir auch mit dem Göttinger Bibliotheken Verbund vernetzt, so dass man unseren Bestand online recherchieren kann.

Auch im Kunsthaus hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan. Viele der Ausstellungen waren ja richtige Publikumsmagneten.

Es stimmt, die Besucherzahlen können sich sehen lassen. 2014 war für die Museen Stade insgesamt das beste Jahr seit 20 Jahren. Rund 50.000 Gäste haben unsere Häuser im vergangenen Jahr besucht. Wir haben viel ins Marketing investiert und werben verstärkt überregional, vor allem in Hamburg und Bremen. Das zeigt Wirkung: Der Anteil von auswärtigen Besucher ist um rund 60 Prozent angestiegen, ohne dass wir die Stader verloren hätten. Das ist natürlich nicht nur gut für die Stader Museen, sondern für die Stadt insgesamt.

Wie wählen Sie die Ausstellungen im Kunsthaus aus?

Die Planung beginnt gut drei Jahre im Voraus. Wir versuchen seit einigen Jahren, mit klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst das Angebot im Kunsthaus zu erweitern und nicht mehr nur auf regionale Künstler zu fokussieren. Das kommt sehr gut an. Die Ausstellungen haben eine hohe Qualität und wecken natürlich mit großen Namen wie aktuell Franz Marc und August Macke, Hermann Hesse oder Max Pechstein großes Interesse.

Damit wir uns von den großen Häusern abgrenzen können, bemühen wir uns, einzelne Aspekte aus dem Werk eines bekannten Künstlers zu zeigen, und das funktioniert sehr gut. Mittlerweile haben wir viele Kontakte, unter anderem zu Sammlern, aufgebaut, so dass es uns gelingt, Ausstellungen nach Stade zu holen, die nicht überall zu sehen sind. Aber auch die weniger bekannten Namen sind in Stade erfolgreich, so zum Beispiel der Illustrator Józef Wilkon´ , dessen Tierillustrationen wir letztes Jahr gezeigt haben.

Was planen Sie für das Freilichtmuseum?

Grundsätzlich wollen wir mehr Leben auf das Gelände bringen. Denkbar sind beispielsweise gemeinsame Veranstaltungen mit dem neuen Gastronom. Auch die Geschichte für die Besucher erlebbarer zu machen, ist ein Gedanke, den wir zur Zeit verfolgen.

Am 31. Mai und am 27. September findet dann wieder der Inselmarkt mit Biowaren und Pflanzen statt. Ein tolles Event, das sich erfolgreich etabliert hat.

Seit 2013 läuft ja schon das Projekt „Altländer Garten“, in das auch Schulklassen und andere Gruppen involviert werden. Hier ist der Stader Geschichts- und Heimatverein e.V. federführend. Ehrenamtlichte Helfer mit einem grünen Daumen oder handwerklichem Geschick sind übrigens herzlich willkommen. Darüber hinaus bietet die Gartenakademie immer am ersten Sonntag im Monat Aktionen zum Mitmachen an. Wir sind also auf einem guten Weg, die Insel zu beleben.

Und was passiert mit dem Heimatmuseum?

Ziel ist es, dieses schöne Kleinod durch eine Kernsanierung zu erhalten. Das Baudenkmal wurde 1904 erbaut und zählt neben den Museen in Altona und Celle zu den ältesten Museumsbauten in Norddeutschland. Das Gebäude ist im Besitz des Stader Geschichts- und Heimatvereins. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie zu den Sanierungsplänen. Dann werden wir weitersehen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das Haus bald wieder sinnvoll genutzt werden wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

www.museen-stade.de

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